Chronik der Kirchengemeinde Owschlag

 

1407 werden die Ostdörfer des Kirchspiels Kropp erwähnt ( „Geschichte des Kirchspiels Kropp in Schleswig“ von Dr. Hans Krause) Dazu gehörten die Dörfer  Owschlag,  Norby, Steinsieken, Sorgwohld, Boklund und Ramsdorf. Der alte Kirchenweg von Owschlag aus verlief  ziemlich direkt quer durch das Gehölz am Ochsenweg über die Johannes Allee zur Kirche (ca. 8 km), er existiert nicht mehr, den weitesten Weg aber hatten die Steinsiekener.

Wie damals üblich ging man zu Fuß, Pferd und Wagen wurden nur zu besonderen Anlässen angespannt, und auch die Konfirmanden mussten sich zu Fuß auf den Weg nach Kropp machen. Alle Amtshandlungen wie Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen fanden dort  statt – und das brachte Geld in den Klingelbeutel,  in die Kirchengemeinde und auch die Gasthäuser.

Der weite Weg nach Kropp führte zu dem Wunsch, Gottesdienst in der Nähe zu haben. Daraufhin wurden ab 1917  monatlich zwei Gottesdienste in der  zentral gelegenen Owschlager Schule von einem Hilfsgeistlichen gehalten. Das war den Ostdörfern aber nicht genug, sie wünschten einen eigenen Pastor. Diesem Wunsch widersetzte man sich heftig in Kropp, da man fürchtete, dass Einfluss und Finanzmittel durch einen selbstständigen Pfarrbezirk der Ostdörfer verloren gingen.   ( Z. B. auch durch die Aufteilung des Pfarrlandes.)

Es heißt in der Chronik vom 9.8.1923 ... „das Kollegium verlangt vom Konsistorium eine bindende schriftliche Erklärung dahin, dass an eine Trennung der Gemeinde in zwei Pfarreien nicht gedacht ist.“

Ab 1924 wird Owschlag mit den dazugehörigen Dörfern ein „selbstständiger Pfarrbezirk“ der Gemeinde Kropp.

Selbstständig nur in soweit, dass der Hilfsgeistliche in Owschlag bei Gemeindegliedern wohnt, Gottesdienste und Amtshandlungen durchführt, zusätzlich aber Aufgaben in den Westdörfern wahrnehmen muss.

Einen eigenen Kirchenvorstand gibt es nicht, für das Kirchspiel Kropp mit Ost- und Westdörfern ist ein Kirchenvorstand zuständig.

Bis 1927 folgen die Hilfsgeistlichen in kurzen Abständen aufeinander. Sie bleiben gewöhnlich nur so lange, bis sie sich als „ordentlicher Pastor“ auf eine eigene Pfarrstelle bewerben können.

Hilfsgeistliche in Owschlag:

Ernst Rohnert 1917 – 1918

Karl Fliedner 1918 – 1922

Walter Blunck 1922 – 1925

Heinrich Goth 1925 –1927

 
Der Wunsch nach einer eigenen Pfarrstelle mit ordentlichem Pastor wird trotz des  Widerstandes aus Kropp weiterhin in Owschlag verfolgt.

Allmählich legt sich der Widerstand, und so wird ab 1925  über den Kauf eines Grundstückes für Pastorat und Kirchsaal unter Führung von Heinrich Goth verhandelt.

Nach zähen Verhandlungen, – inzwischen waren zwei Kaufversuche gescheitert - erwirbt die Kirchengemeinde 1926 von dem Müller Reimers 1,5 ha Land am Hingstbarg, gründet eine Baukommission, regelt die Kosten und vergibt die Bauaufträge.

In den Grundstein des Pastorates mit Kirchsaal wird folgender Text eingemauert:

„Es war um diese Zeit, also im Jahr 1926, Völkel Bischof im Bistum Schleswig, Sommer Propst der Popstei Schleswig, Hansen Pastor in Kropp, Goth Provinzialvikar in Owschlag.                                                         
Die Kirchenältesten der Gemeinde waren: Joh. Brommann – Kropp, Peter Engeland – Tetenhusen, Peter Jeß – Owschlag, Franz Solterbeck – Boklund.
Gott lasse dieses Haus erbaut sein zu seiner Ehre und zum Heil der Bewohner der zu diesem Pfarrbezirk gehörenden Dörfer Owschlag, Norby, Ramsdorf, Boklund, Steenosek, Sorgwohld.
Gott walte in Frieden über uns und alle künftigen Geschlechter, gebe Frieden und gute Zeit auf Erden und zuletzt die ewige Seligkeit um Jesu Christi willen! Amen“

 
Owschlag hat nun einen Pastor, ein Pastorat, einen  Kirchsaal und einen Friedhof, der 1927 angelegt wird, aber keinen eigenen Kirchenvorstand, der gemeinsame Kirchenvorstand mit Kropp besteht weiterhin.

Der erste ordentliche Pastor in Owschlag ist

1927 – 1933, Hans Jäger

Der Kirchenweg nach Ramsdorf trägt seinen Namen: Pastor Jäger Stieg. Er wechselt in eine Pfarrstelle nach Bovenau.

 
In der Zeit des Nationalsozialismus wird Owschlag zuerst kommissarisch durch zwei pensionierte Pastoren verwaltet.

1933, Pastor Freytag aus Nortorf.

1934 bis 1936, Pastor Lucht . Er bezieht das Pastorat und führt ein Gemeindeblatt ein, das monatlich erscheint.

1936 – 1940,  Johann Christoph Friedrich Kramer

Pastor Kramer gehört der Bekennenden Kirche an, die sich der Bibel verpflichtet fühlt und nicht dem Nationalsozialismus. Er gerät in Auseinandersetzung mit Parteimitgliedern, die ihm Leben und Arbeit schwer machen und dafür sorgen, dass er 1940 als Soldat eingezogen wird.

Er fällt 1942 bei Leningrad, sein Gedenkstein steht auf dem Friedhof.

1940 – 1945

In den Kriegsjahren wird Owschlag von Kropp aus verwaltet. Vor allem Pfarrverweser Jebsen betreut die Gemeinde und hält alle 14  Tage einen Nachmittags – Gottesdienst. Pastor Jebsen ist für die Gemeinden Kropp, Owschlag und Hollingstedt zuständig.

1945 – 1947, Dietrich Gottschewski

Neben der Familie Gottschewski lebt auch Frau Kramer, die das Organistenamt versieht, mit ihren beiden Kindern im Pastorat. 1946 kommen die Kinder Hans - Jürgen Kramer und Margret Gottschewski beim Spielen im „Kirchenwald“ durch eine Granatenexplosion um.

Pastor Gottschewski übernimmt 1947 eine Pfarrstelle in Lübeck, ist aber in Owschlag begraben.

 
In der Nachkriegszeit ist es nicht nur im Pastorat sehr eng, auch bei den Dorfleuten leben viele Flüchtlinge, die untergebracht werden mussten.

Die Gottesdienste sind vor allem von den Flüchtlingen gut besucht, etwa 60 Gemeindemitglieder am Sonntag.

1947 – 1957, Hans Friedrich Matthiesen

In seiner Zeit wird das große Steinkreuz am Haupteingang des Friedhofes zum Gedenken an die Kriegstoten errichtet, mit der Inschrift auf dem Sockel:

„Den Toten zum Gedächtnis, den Lebenden zur Mahnung“

                                                                                                           
In Owschlag entwickelt sich ein reges Gemeindeleben mit Frauenkreis, einem jährlichen Missionsfest in Stenten – Mühle, Kirchenchor, Posaunenchor, Bibelstunden in Außendörfern, Sommer – Missionsfeste im Pastoratsgarten.

Frau Matthiesen unterstützt ihren Mann auch als Organistin. Pastor Matthiesen stirbt 1957 und ist in Owschlag begraben.

1957 – 1971, Cord Thoböll

Seine Zeit ist geprägt von Verhandlungen: Der Loslösung von Kropp und dem Bau der Erlöserkirche.

Kropp war 1923 zugesichert worden, dass es eine selbstständige Kirchengemeinde Owschlag nie geben würde. Deshalb waren längere Verhandlungen notwendig, ehe das Landeskirchenamt 1962 die Verselbstständigung des Pfarrbezirkes Owschlag beschließen konnte.

Mit dem 1.Januar 1963 ist Owschlag selbstständig und kann über kirchliche und finanzielle Angelegenheiten selbst entscheiden.

Damit verbunden ist der Bau der Erlöserkirche, die am 13. Oktober 1963 eingeweiht wird.

Das Vermögen und die Ländereien werden zwischen Owschlag und Kropp im Verhältnis ¼ -  ¾  aufgeteilt. Der Kirchsaal wird zum Gemeindehaus umgebaut und 1965 mit einer Teeküche ausgestattet.

Das musikalische Leben der Kirchengemeinde wird von Frau Thoböll geprägt, die Organistin und Leiterin des Posaunenchores und des Singkreises ist. Der Singkreis war am 10. November 1957 gegründet worden, gewinnt  nun aber  neue Mitglieder.

Cord Thoböll wechselt in eine Pfarrstelle nach Lübeck.

1972 – 1979, Klaus Bregas

Von 1972 bis 1974  besteht eine Kinderstube im Gemeindehaus, die von Ehrenamtlichen und dem Pastor betreut wird.  Sie schließt 1974, da ein kommunaler Kindergarten gebaut wird. Auch im kommunalen Kindergarten wünschen Eltern eine biblische Unterweisung durch den Pastor. Daraus entsteht eine heftige Auseinandersetzung mit Gemeindevertretern, die einen Pastor im Kindergarten ablehnen. Diese Auseinandersetzung wird so unerfreulich, dass Pastor Bregas die Gemeinde verlässt und eine Pfarrstelle in Herzhorn annimmt.

1979 – 2002, Peter Barth

1983 wird das Gemeindehaus erweitert und hat nun zwei Räume.

Schon 1971 wird in der Chronik häufiger Wasserschaden in der Kirche beklagt, da die  Glocken im Dachreiter durch die Schwingungen immer wieder dafür sorgen, dass das Dach undicht wird. Deshalb wird 1988 der freistehende Glockenturm errichtet und mit vier Glocken ausgestattet.

Die älteste Glocke, die im Dachreiter des Kirchsaales (Gemeindehaus) hing, stammt von 1606, die zweite Glocke wurde 1963, zusammen mit der alten Glocke, im Dachreiter der Erlöserkirche aufgehängt, und Pfingsten 1988 werden zwei neue Glocken geweiht.

Es entwickelt sich ein reges Gemeindeleben, mit Festen im Jahr, die im Laufe der Zeit immer mehr Zuspruch finden: Osterspaziergang mit Osterfrühstück, Gemeindefest im September, Silberne und Goldene Konfirmation, Kinderbibeltage, Quempas –Singen, Weltgebetstag, Konfirmanden – Gottesdienste, Frauenfrühstück.

Der Singkreis unter der Leitung von Christa Besch ist eine wichtige Bereicherung des Gottesdienstes.

Marit Barth unterstützt ihren Mann nicht nur als Organistin, sondern auch bei allen Aktivitäten, und es finden sich viele Ehrenamtliche, die Aufgaben übernehmen.

Auch stellt Pastor Barth wieder einen guten Kontakt zu den Vereinen, Verbänden und der Kommunalgemeinde her.

Er geht im Juni 2002 in Pension


Juli – Dezember 2002, Vakanz

Michael Jastrow, Pastor aus Kropp übernimmt die Vakanz – Vertretung. Die stellvertretende Vorsitzende, Dorothea Panten, regelt mit großem Einsatz die Angelegenheiten der Kirchengemeinde, zusammen mit Pastor Jastrow und dem Kirchenvorstand, so dass das kirchliche Leben geordnet weiterläuft. Den Konfirmanden – Unterricht teilen sich Pastor Hoffmann aus Schleswig und Gertraude Kaiser.

Das Pastorat wird gründlich renoviert unter der fachkundigen Aufsicht von  Kirchenvorstandsmitglied Martin Jandt  und Pastor Michael Jastrow.

Da dem Kirchenvorstand klar wird, dass ein Pastor/ eine Pastorin die Verwaltung der Kirchengemeinde nicht allein schaffen kann, wird die „Bühne“ des Gemeindehauses (der ehemalige Altarraum) zu einem Büro umgebaut und Renate Krischer als Gemeindesekretärin eingestellt.

Der Kirchenvorstand wählt nach einer Ausschreibung Pastorin Dorothea Pape. Frau Pape hatte 10 Jahre eine Pfarrstelle in Staven, Mecklenburg, inne. Am 1. Advent 2002 finden Kirchenvorstandswahlen statt. Mit der neuen Pastorin beginnt auch ein neuer Kirchenvorstand, in dem überwiegend „alte“ Kirchenvorstandsmitglieder vertreten sind.

 

2002 – August 2008 Dorothea Pape

Frau Pape wünscht zu Beginn ihrer Amtszeit eine Veränderung und Vergrößerung der Kirche. Nach langer Vorbereitung wird mit dem Umbau der Erlöserkirche im April 2008 begonnen, entworfen und geleitet von dem Architekten Matthias Johannsen aus Hamburg.

Die  vorhandene Walker – Orgel ist ein einfaches Instrument, durch Wasserschäden beschädigt und schwer bespielbar. Im Zusammenhang mit dem Umbau und der Vergrößerung der Kirche wird auch ein Orgelprojekt verfolgt. So erhält die Firma Babel 2008 einen  Auftrag zum Bau einer neuen Orgel.

Der langjährige Küster und Friedhofswart, Hans- Jürgen Capell, gibt seine Arbeit 2006 auf. Heinrich Steffen wird sein Nachfolger und Kirchenvorstandsmitglieder übernehmen seit 2005 den Küsterdienst.

Im November 2007 wird der Vorsitz ausgewechselt. Gertraude Kaiser wird Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Volkhart Meyer ihr Stellvertreter.

Die Zusammenarbeit  zwischen Mitarbeitern, Kirchenvorstand und Pastorin gestaltet sich weiterhin schwierig, so dass Frau Pape in eine Pfarrstelle nach Pinneberg wechselt.

 

September 2008 bis Januar 2009 Vakanz

Pastor Bernhard Müller aus Schleswig steht in der Zeit der Vakanz für alle Gottesdienste und Amtshandlungen zur Verfügung. Die Verwaltungsarbeit wird von Gertraude Kaiser und der Gemeindesekretärin, Astrid Müller, geleistet. Die Baumaßnahmen bei der Kirche und dem Außenbereich- Pflasterung der Zuwege- begleitet und überwacht Volkhart Meyer. Trotz der Vakanz findet ein geregeltes Gemeindeleben statt.

Am 2. November 2008 wird die vergrößerte und veränderte Erlöserkirche in einem Festgottesdienst unter Leitung von Pröpstin Johanna Lenz – Aude und Pastor Bernhard Müller und sehr großer Beteiligung der Gemeinde wieder in den Dienst genommen.

Die Beleuchtung des Grundstückes wird neu installiert. Auch im Pastorat wird umgebaut, der Eingang des Amtszimmers aus der Wohnung herausgenommen und die Heizungsbedienung von Pastorat und Gemeindehaus getrennt.

Am 1. Advent 2008 findet die Kirchenvorstandswahl statt.

Im Rahmen der Fusion der Kirchenkreise wechselt  Owschlag von Schleswig nach Rendsburg- Eckernförde, und die Kirchengemeinde wird am 28. März 2009 im Dom zu Schleswig verabschiedet.

Da sich auf die Ausschreibung auf die Pfarrstelle niemand beworben hat, beginnt im Februar 2009 Pastorin z. A. Kristina Warnemünde ihre Tätigkeit in Owschlag.

Sie zieht mit ihrem Mann und 2 Kindern in das Pastorat ein.

 

Gertraude Kaiser