Schutzmaßnahmen/Pflegemaßnahmen

Zentrale Aufgabe des Schmetterlingsschutzes ist eine hinreichende Sicherung der Lebensstätten.

Um die Binnendünen auch als Schmetterlingsreservat zu erhalten, müssen verbuschte Bereiche freigestellt werden und durch Abräumen der Bodenstreu (Mähen oder Plaggen) offene Flächen geschaffen werden, auf denen sich eine zusammenhängende Heide- und Trockenrasengesellschaft entwickeln kann, wobei darauf geachtet werden sollte, daß keine schweren Geräte eingesetzt werden.

Obwohl in den Binnendünen die Besenheide-Gesellschaft in ihrer typischen Ausprägung nur relativ kleine Flächen einnimmt, konnten in meiner Arbeit zahlreiche auf die Besenheide spezialisierte Arten festgestellt werden. Die herausragende Bedeutung des Ökosystems Binnendüne konnte somit auch durch diese Untersuchung belegt werden.

Dabei zeigen zahlreiche Arten (z.B. Rostbinde, Flechtenbärchen, Kleines Nachtpfauenauge, verschiedene Heidekrauteulen u.a.) Bindungen oder Präferenzen an Entwicklungsstadien der Heide, die ohne Pflegemaßnahmen nicht mehr vorhanden wären. Die bisher durchgeführten Maßnahmen haben also deutlich positive Auswirkungen auf die Fauna der Binnendünen. Diese heideverjüngenden Maßnahmen dürfen aber nicht zu radikal, sondern eher inselartig oder mosaikartig durchgeführt werden, damit eine möglichst große Vielfalt erhalten bleibt. Das immer noch propagierte Abflammen hat sich dagegen in vielen Beispielen als sehr nachteilig für die Schmetterlingswelt erwiesen. Durch eine zu monokulturartige Entwicklung der Besenheide konnten viele bedrohte Arten über Jahrzehnte hin die reinen Calluna-Bestände nicht wiederbesiedeln.Calluna-Bestaende

Eine durch Entkusselung und Plaggenhieb freigelegte Calluna-Heide kann dann durch eine extensive Beweidung durch Heidschnucken, wie dies in den Sorgwohlder Binnendünen realisiert wird, weiter optimiert werden. Dabei sollte aber nicht nur die Entwicklung der Calluna-Heide im Vordergrund stehen, sondern auch die Auswirkungen auf die biotopspezifische Kleintierfauna wie die Schmetterlinge berücksichtigt werden.

Beobachtungen haben gezeigt, daß ein zu starker Besatz mit Heidschnucken schon nach drei Jahren zu einem bedrohlichen Artenrückgang von über 50 % der Schmetterlingsfauna geführt haben. In den Binnendünen kann es also nicht nur um den Effekt einer prächtig blühenden Calluna-Heide gehen; Priorität hat zukünftig ein qualitatives und quantitatives Nahrungsangebot für alle binnendünenspezifischen Arten. Aus diesem Grund ist auch darauf zu achten, daß in den Randbereichen ausreichender Windschutz durch Saumstrukturen mit Einbuchtungen, Schneisen, Lichtungen und Übergänge in halboffene Heidewälder (hier Eichen-Birken-Wald-Streifen auf der Nordseite) erhalten oder geschaffen werden.

Auch für die Besiedlung mit Tagfaltern kommt den Waldsäumen generell eine große Bedeutung zu. Dabei gilt die schon für die Vogelbesiedlung erkannte Faustregel, daß die Besiedlung mit Tagfaltern um so dichter ist, je lichter und besonnter der Wald ist.

Wie die Auswertungen zeigen, treten xerophile Arten in den Entwicklungsstadien der geplaggten Flächen, in den beweideten Bereichen und in den Besenheide- und Drahtschmielebeständen in den Vordergrund. Diese Bereiche sind also als Lebensraum für die xerophilen Arten gut geeignet. Da vor allem Arten der xerothermen Rasengesellschaften und xerothermen Gehölzvegetationen durch die gegenwärtige Landschaftsentwicklung hochgradig gefährdet sind, muß es daher das Ziel sein, solche bedrohten Biotope nicht nur unter Schutz zu stellen und dem Schutzziel zuwiderlaufende Nutzungen zu verhindern, sondern auch artorientierte Pflegeprogramme zu entwickeln und umzusetzen. Dies wird in vorbildlicher Weise in den Sorgwohlder Binnendünen verwirklicht.


Aus der Untersuchung der Schmetterlingsfauna ergibt sich folgende Zielsetzung:

Alle verschiedenen Entwicklungsphasen müssen nebeneinander erhalten bzw. geschaffen werden.

Dazu gehören:

 

Diese Zielvorstellungen lassen sich durch die Pflegemaßnahmen Entkusseln, Beweiden, Mahd und Plaggen langfristig erreichen.


Viele der beobachteten Arten bevorzugen nicht nur einseitig die Binnendünen als Lebensraum, sondern sind auch in Moorheiden zu finden. Vor diesem Hintergrund sollten in zukünftigen Schutzkonzepten zum Erhalt der heimischen Schmetterlingsvielfalt Aspekten zum Biotopverbund ein zentraler Stellenwert eingeräumt werden. So sollten die politisch Verantwortlichen einen Verbund zwischen den Sorgwohlder Binnendünen und dem Owschlager Moor und dem Duvenstedter Moor nicht nur durch Absichtserklärungen anstreben, sondern durch Errichten kleinerer "Trittsteinbiotope" dem öffentlichen Bekenntnis auch Taten Folgen lassen.

(veränderter Auszug aus einer Biologiearbeit von Katja Schäfer "Vorkommen und Ökologie der Schmetterlinge der Sorgwohlder Binnendünen")