Der Ochsenweg bei Owschlag

Etwa 500 m östlich der B77 verläuft parallel zu ihr ein Abschnitt des historischen Ochsenweges, der unter Denkmalschutz steht. Dieser Weg war in frühgeschichtlicher Zeit die einzige Nord-Süd-Verbindung von Jütland nach Wedel und Hamburg. Heute ist er nur noch streckenweise erhalten.

Im Bereich Owschlag beginnt er hinter der Gaststätte Kropperbusch und endet an der Sorge bei der Gaststätte Sorgbrück. Streckenweise erkennt man heute noch den hier bis zu 70 Metern breiten Sandweg, der von Magerrasen und Heideresten durchsetzt ist und von Heidekraut, Kiefern, Tannen, Fichten und Eichen umsäumt wird. Neben der Besenheide (Calluna vulgaris) sind Thymian (Thymus pulegioides), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Hasenklee (Trifolium arvense) und Sandköpfchen (Jasione montana) bezeichnende Arten.


Zur Geschichte des Ochsenweges:

Jütland und Schleswig-Holstein bilden eine lange schmale Halbinsel. Sie ist geformt, wie man sagt, wie ein Schweinerücken: in der Mitte das magere Rückgrat, links und rechts die fetten Seiten. Die Geest ist also die Wasserscheide, von der aus die Flüsse und Bäche nach Osten und Westen in die See fließen.

Schon in der Steinzeit wanderten die Menschen den trockenen Mittelrücken entlang. Heere durchzogen ihn. In Dänemark heißt der Ochsenweg heute noch "Heerweg". Auch Mönche pilgerten im 122. Jahrhundert auf ihm nach Norden, um das Christentum zu verbreiten.

Sehr wichtig war dieser Weg aber seit dem 11./12. Jahrhundert für den Handel mit Vieh, daher sein Name.
Im Frühjahr trieb man Magervieh nach Süden in Herden von etwa 40 Stück, im Herbst waren es dann fette Grasochsen. Die Nacht verbrachten Ochsen und Treiber an bzw. in einem Krug. Die Händler fuhren mit dem Wagen hinterher. Das Ziel war ein großer Ochsenmarkt in Wedel an der Elbe. Auf der Rückfahrt bezahlte der Händler die Kosten im Krug und am Ende der Reise die Treiber. Meistens waren die Händler bewaffnet. Im Wald in der Kropper Gegend war man nicht sicher vor Räubern ("Du büs Kropperbusch noch ni vörbi").

Das Fleisch der Ochsen war durch seine Faserung leichter haltbar zu machen, so daß es für die Schiffsverpflegung sehr begehrt war. Der Ochsenhandel weitete sich trotz aller Schwierigkeiten, die mit dem langen Viehtrieb verbunden waren (Räuber und Weglagerer, Auftreten von Krankheiten), immer mehr aus. Im Jahre 1565 wurden in der Woche bis zu 20.000 Tiere hier entlang getrieben. Im 18. Jahrhundert kam es aufgrund der gestiegenen Zölle zum Nachlassen des Ochsenhandels. Und die Entwicklung der Eisenbahn führte schließlich dazu, daß der Transport der Ochsen auf die Schiene verlagert wurde. Das umständliche und aufwendige Treiben wurde eingestellt.

1837 wurde der letzte Ochsenmarkt in Wedel veranstaltet. Zurück blieben die Reste des alten Handelsweges, der heute überwiegend unter einer Teerdecke liegt. Deshalb sind wir Owschlager Bürger froh darüber, daß hier bei uns einer der schönsten Abschnitte des alten Ochsenweges in seiner charakteristischen Form noch erhalten geblieben ist.

Trotzdem gibt es Anlaß zur Sorge, weil insbesondere die großen Heideflächen zu überaltern und zu verbuschen drohen.