
Wenn man auf dem Jungfernstieg
durch das Owschlager Moor wandert, erkennt man sehr schnell, daß
es sich hier überwiegend um ein wertvolles Heidemoor, das
aus einem weitgehend entwässerten Hochmoor entstanden ist,
handelt.
Als Bestandteil der "Schleswiger
Vorgeest" liegt das Moor am südlichen Rand einer großen,
intensiv genutzten Sanderfläche. Das gesamte Moor ist von
verlandenden Torfstichen überzogen. Auf den erhöhten
Bereichen (den
Bulten) und den seitlich angeschnittenen oder von Gräben
durchzogenen Torfsockeln erkennt man verschiedene Heidekrautgewächse
wie die Rosmarinheide (Andromeda polifolia), die Glockenheide
(Erica tetralix), die Besenheide (Calluna vulgaris) und die Krähenbeere
(Emeptrum nigrum), die v.a. im nördlichen Teil des "Jungfernstiegmoores"
dominiert und auf eine starke Entwässerung der Torfe hinweist.In
den meist wassergefüllten, tiefgelegenen Bereichen, den Schlenken,
findet man binsenartige Pflanzen wie die weiße Schnabelbinse
(Rhynchospora alba), das
schmalblättrige und das scheidige
Wollgras (Eriophorum angustifolim und E. vaginatum), die Schlammsegge
(Carex limosa) und die Moosbeere (Vaccinium oxycoccus), die die
Seltenheit bestäubender Insekten durch eine lange Blütezeit
von über 6 Wochen ausgleicht.
In den großen und kleinen Moorkuhlen, deren Torf früher zur "Backtorfgewinnung" gestochen worden ist, haben sich (wieder) Torfmoose (Sphagnum spec.), die das angesammelte Regenwasser sauer werden lassen, angesiedelt. Diese bilden im Wesentlichen den Hochmoorkörper, der im natürlichen Moor oft uhrglasförmig aufgewölbt ist (daher der Name Hochmoor) und im Owschlager Moor eine Mächtigkeit von 2 bis 4 m erreicht. Die Torfmoose zeigen ein nahezu einmaliges Wachstumsverhalten: in dem Maße, wie sie im unteren Teile absterben, wachsen sie oben weiter! Da das Torfmoos seine Nährstoffe nur aus dem Regenwasser bezieht, benötigt es keine Wurzeln zur Nährstoffaufnahme.
Die abgestorbenen Torfmoosteile werden nicht abgebaut, sondern in Torf umgewandelt und bilden dann eine wachsende Isolierschicht zum nährstoffreichen mineralischen Untergrund. Je höher der Torfmoosrasen wird, desto stärker werden andere Pflanzen verdrängt. Diesen von den Torfmoosen verursachten Nährstoffmangel ergänzt z.B. der Rundblättrige Sonnetau (Drosera rotundifolia) aus tierischer Kost. Seine Beutetiere wie Insekten lockt und fängt er mit speziell dafür ausgebildeten Blättern.
Auch bei den Tieren können nur Spezialisten (vorwiegend Insekten) im Hochmoor überleben. Muscheln und Schnecken fehlt z.B. der zum Aufbau ihrer Schalen oder Gehäuse notwendige Kalk. Ein anderer Hochmoorspezialist ist die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica), die zur Eiablage flutende Torfmoosrasen benötigt.
Die früher im Owschlager Moor regelmäßig zu beobachtenden Birkwildgruppen (1984 wurde sogar ein Brutversuch registriert) sind heute ebenso verschwunden wie der Rotschenkel (Tringa totanus), der ein seltener Brüter des Binnenlandes ist. Auch die Versuche der Jägerschaft, das Birkwild durch Aufzucht und Auswilderung wieder heimisch zu machen, schlugen fehl und sind 1999 nach Aussetzen der letzten 5 Vögel eingestellt worden.

Hochmoore sind extreme Lebensräume,
in denen nur wenige Tiere und Pflanzen existieren können.
Deshalb stehen die meisten Tier- und Pflanzenarten des Hochmoores
auf der "Roten Liste" der gefährdeten Pflanzen
und Tiere. Die Ursachen für das Verschwinden bzw. den Rückgang
vieler Hochmoorspezialisten liegen in den Entwässerungsmaßnahmen
(Torfgewinnung, Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen),
wodurch das ursprünglich wesentlich größere Owschlager
Moor auf die heutige Restfläche von ca. 86 ha geschrumpft
ist.
Die für ein lebendes und
damit im Wachstum begriffenes Hochmoor erforderlichen Torfmoose
sind aufgrund der Entwässerung weitgehend verschwunden. An
ihre Stelle sind in zunehmendem Maße hochmoorfremde Pflanzenarten
getreten, die die verschiedenen Stadien der Moordegeneartion anzeigen,
vor allem der
Benthalm(Pfeifengras,
Molinia coerulea), der sich neben der Moorbirke (Betula pubsecens)
weithin präsentiert und besonders in den Randbereichen meist
zusammen mit der Drahtschmiele (Avenella flexuosa) verstärkt
auftritt.
1986 ergriff der BUND in Owschlag die Initiative, um die fortschreitende Degeneration des Moores zu unterbinden und darüber hinaus Maßnahmen zu seiner Regeneration einzuleiten. Nach einer Vortragsveranstaltung des BUND beschloß die Gemeinde 1987 ein vereinfachtes Flurbereinigungsverfahren für das Owschlager Moor. Die Erfolge der 1992 begonnenen und 1995 abgeschlossenen Arbeiten lassen sich besonders im südlichen Teil des Moores gut beobachten.
Durch die Entbirkung (Entkusseln) großer Teile des Moores kommt es nicht mehr zu der unerwünschten Beschattung der lichtliebenden Moorpflanzen und dem Wasserentzug durch die Birken. Auf den freigelegten und durch Abdämmung und Verfüllen von Gräben wieder vernäßten Flächen beginnen sich wieder Bulttorfmoose und feuchte Heidekrautstadien auszu-breiten.